Presseerklärung des Ministeriums für Justiz, Gleichstellung und Integration zur Jubiläumsveranstaltung von FRAU & BERUF Schleswig-Holstein
Familie und Beruf? Für viele Frauen klingt das noch immer nach einer fast unlösbaren Aufgabe. Gleichstellungsminister Emil Schmalfuß würdigte zum 20-jährigen Jubiläum die hervorragende Arbeit der Beratungsstellen "FRAU & BERUF". Gleichwohl machte der Minister deutlich, dass die Forderung nach Gleichberechtigung für Frauen nicht an Aktualität verloren habe.
"Gerade bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind Frauen immer noch nicht dort angekommen, wo sie eigentlich stehen sollten", so der Minister für Gleichstellung, Emil Schmalfuß, anlässlich des Jubiläums zu 20 Jahre Beratungsstellen "FRAU & BERUF" in Schleswig-Holstein.
Frauen verdienen weniger
Nur zögerlich habe man sich den Vorgaben des Grundgesetzes genähert, das bereits seit 60 Jahren mit dem zweiten Absatz des 3. Artikels Frauen und Männer gleichberechtigt nebeneinander stellt. Dass es Nachholbedarf gibt, liegt für Schmalfuß auf der Hand. Noch immer werden Frauen in den meisten Jobs von Anfang an schlechter bezahlt. "Schon in den ersten drei Berufsjahren bekommen Frauen fast 20 Prozent weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen", so Schmalfuß weiter.
Eine andere Zahl mache ihn aber noch nachdenklicher: Wer heute in Westdeutschland weiblich, über 50 Jahre alt ist und ALG II empfängt, liege mit seiner Rente später unterhalb der Armutsgrenze.
Großes Engagement der Beratungsstellen
Das alles zeige, dass vor allem die Erwerbstätigkeit von Frauen besonders unterstützt werden muss, wie dies die Beratungsstellen "FRAU & BERUF" seit 20 Jahren tun. "Ohne die engagierte Arbeit der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten, in den Beratungsstellen und der Arbeitsverwaltung sowie Politik, Gewerkschaften, Kammern und Arbeitgeberverbände wäre die Qualität der Beratungen in Schleswig-Holstein nicht auf dem Niveau, auf dem wir uns heute befinden", so der Minister abschließend.
Die Stiftung Warentest hat 2004 die Qualität der Beratungen zur beruflichen Weiterbildung untersucht. Testsieger waren die Frauenberatungsstellen, wobei das flächendeckende Angebot in Schleswig-Holstein besonders hervorgehoben wurde.
Die Beratungsstellen FRAU & BERUF
Die Beratungsstellen "FRAU & BERUF" vermitteln keine Jobs. Sie unterstützen Frauen, ihren Weg im Arbeitsleben zu finden. Dass machen sie aber so erfolgreich, dass die Erfolgsquote bei mehr als 50 Prozent liegt. Der erste Evaluationsbericht des Zukunftsprogramms Arbeit weist darauf hin, dass in Schleswig-Holstein das Erwerbspotential der Frauen stärker genutzt wird als in anderen westdeutschen Bundesländern. Im Jahr 2007 hat der Anteil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Schleswig-Holstein 47 Prozent betragen und damit deutlich über dem westdeutschen Durchschnittswert von 44 Prozent gelegen. Ebenfalls 2007 wurde eine Erwerbstätigenquote der Frauen von 63,5 Prozent erreicht, so dass der für 2010 gesetzte EU-Benchmark von 60 Prozent bereits erfüllt ist.
Pionierarbeit
1989 nahm die erste Beratungsstelle in Husum ihre Arbeit auf. Die Herausforderung, Beruf und Familie zu vereinbaren, galt noch gänzlich als Privatsache. Weder bei der Arbeitsvermittlung noch bei Weiterbildungsträgern oder gar in Unternehmen spielte diese Frage eine größere Rolle. Die Beratungsstellen haben hier Pionierarbeit geleistet und ein Bewusstsein für die Notwendigkeit von Frauenförderung geschaffen.
Starke Nachfrage
Die ersten Einrichtungen in Husum und Flensburg sind auf einen enormen Beratungsbedarf gestoßen. Schnell sind eigene, frauenspezifische Kurse, die so genannten Orientierungskurse, entstanden. Das integrierte Praktikum war wichtig, um Kontakte zu Betrieben aufzubauen. 1993 gab es dann bereits zehn Beratungsstellen. In dieser Zeit bestanden bereits Kooperationen mit örtlichen Bildungsträgern. Viele von ihnen haben die Orientierungskurse aufgenommen und weitergeführt.
Aufbau eines Beratungsnetzes
Ende 1998 erreichte der Aufbau des Beratungsnetzes mit den zusätzlichen Stellen in Stormarn und Segeberg das heutige Niveau. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Beratungsstellen (1993) war inzwischen ebenso entstanden wie der heutige Name „Beratungsstellen Frau & Beruf“ (1996). Das heutige Konzept wurde in den letzten 10 Jahren gemeinsam von den Mitarbeiterinnen der Beratungsstellen und dem Ministerium für Gleichstellung entwickelt und immer wieder angepasst. Zusätzlich zur Perspektive der Frauen als Nachfragerinnen auf dem Arbeitsmarkt wurde auch die Arbeitgeberseite in den Blick genommen.
Erfolgreiche Arbeit
Jährlich analysieren die Beratungsstellen die regionalen Gegebenheiten. Regelmäßig überprüfen sie auch ihr eigenes Handeln. Und das ist eine wichtige Voraussetzung für die sehr erfolgreiche Arbeit. Die Stiftung Warentest hat 2004 die Qualität der Beratungen zur beruflichen Weiterbildung untersucht. Testsieger sind die Frauenberatungsstellen gewesen und dabei wurde das flächendeckende Angebot in Schleswig-Holstein besonders hervorgehoben. Heute, gut fünf Jahre später, sind die Beratungsstellen fest verankert im Zukunftsprogramm Arbeit des Landes Schleswig-Holstein.
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